Zwei Soldaten in Wüsten-Flecktarn auf einem Militär-Quad in der Wüste
Auswahlverfahren

Auswahlverfahren für Spezialkräfte: Was sich verändert hat — und was das für Bewerber bedeutet

05. Juni 2025 · Erschienen auf FOCUS Online

Die Anforderungen an Spezialeinheiten verändern sich. Doch wie lässt sich trotz neuer Rahmenbedingungen höchste Qualität erhalten? Samuel Come und Denis Pfeifer von NXTGEN Athlete GmbH, selbst ehemalige spezialisierte Kräfte der Bundeswehr, haben ein Trainingskonzept entwickelt, das körperliche Fitness, mentale Stärke und taktisches Denken verbindet.

Noch vor wenigen Jahren galt ein Platz in einer Spezialeinheit wie dem KSK, der GSG 9 oder dem SEK als Zeichen für außergewöhnliche körperliche und mentale Leistungsfähigkeit. Die Auswahlverfahren waren berüchtigt für ihre Härte. Doch die Zeiten ändern sich: sinkende Bewerberzahlen, veränderte Erwartungen der jungen Generation und der gesellschaftliche Wandel haben tiefgreifende Veränderungen ausgelöst.

„Die Zeiten maximaler Härte sind vorbei", betont Samuel Come. „Die traditionellen Auswahlverfahren stoßen zunehmend an ihre Grenzen — auch, weil sich die Erwartungen der Bewerber stark verändert haben."

Von klarer Selektion zur Massentauglichkeit

Bis in die 2010er Jahre hinein waren die Auswahlverfahren für Spezialkräfte konsequent auf physische und psychische Belastbarkeit ausgerichtet. Die Anforderungen reichten von strengen körperlichen Tests über Schwimmstrecken, Ausdauerläufe und Hindernisparcours bis hin zu komplexen psychologischen Prüfverfahren. Mit Durchfallquoten von bis zu 80 Prozent kamen nur besonders belastbare Kandidaten durch.

Seit etwa 2015 verzeichnen Polizei und Bundeswehr rückläufige Bewerberzahlen. Als Reaktion darauf wurden physische Anforderungen und psychologische Kriterien gelockert, um das Verfahren zugänglicher zu gestalten. Die Zeiten extrem harter Auswahlsysteme sind damit weitgehend vorbei — auch weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend als unverhältnismäßig bewertet werden.

Demografischer Druck auf die Behörden

Der demografische Wandel sorgt dafür, dass es insgesamt weniger junge Menschen im wehrfähigen Alter gibt. Gleichzeitig bringt die Generation Z neue Werte mit: Körperliche Härte und autoritäre Strukturen stoßen auf Widerstand. Sinnhaftigkeit, Work-Life-Balance und Weiterentwicklung gewinnen an Bedeutung.

Doch nicht alle begrüßen diese Entwicklung. Kritiker befürchten einen Verlust an Qualität und Professionalität. Während früher nur die absoluten Spitzenkräfte den Auswahlprozess meisterten, besteht heute die Sorge, dass niedrigere Standards langfristig die Einsatzfähigkeit beeinträchtigen. Besonders problematisch: Wenn Soldaten oder Polizisten in realen Gefahrensituationen schneller an ihre Grenzen kommen, kann das im Ernstfall Leben kosten.

Warum gezielte Vorbereitung wichtiger ist denn je

NXTGEN Athlete GmbH begleitet seit Jahren Menschen, die sich auf Auswahlverfahren für Spezialkräfte vorbereiten. Samuel Come und Denis Pfeifer warnen davor, die Anforderungen wahllos zu senken — und plädieren stattdessen für bessere Vorbereitung und gezieltes Training. Dazu gehört ein frühzeitiger Trainingsbeginn, idealerweise Monate vor der Bewerbung, kombiniert mit Konzepten, die körperliche Fitness, Ernährung und mentale Stärke verbinden.

Dass das Konzept funktioniert, zeigt das Beispiel eines Oberstabsgefreiten: Als IT-Spezialist kam er mit passabler Grundfitness, aber großen Defiziten bei Belastungstoleranz und Ausdauer zu NXTGEN Athlete GmbH. Mit einem individuellen Trainingsplan, mentalen Belastungssimulationen und maßgeschneiderter Ernährung bereitete er sich sechs Monate lang gezielt vor. Er bestand sein Auswahlverfahren.

„Sein Erfolg zeigt, dass echte Leistungssteigerung nicht vom Zufall abhängt — sondern von einer gezielten Vorbereitung, Willenskraft und dem richtigen Coaching", sagt Denis Pfeifer.


Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FOCUS Online.

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